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Keine Dehnübungen oder Einrenkmanöver an der Halswirbelsäule und am Kopf-Hals-Übergang!

Was vielleicht zunächst Linderung bei vermeintlich “ausgerenkter” oder “blockierter” Halswirbelsäule verspricht, kann ernste Konsequenzen nach sich ziehen, bleibende Verletzungen, die die Lebensqualität nachhaltig einschränken und bedeutend schwerer zu ertragen sind, als die vormals gefühlte Blockade.

Die Halswirbelsäule ist der empfindlichste Abschnitt der Wirbelsäule. Die einzelnen Wirbel werden von Bandstrukturen und Gelenkkapseln zusammengehalten und nicht, wie mancher denken möge, primär von Muskeln. Diese Bandstrukturen sind zähe derbe Gebilde, die lose einen begrenzten sicheren Bewegungsspielraum zwischen den einzelnen Wirbeln zulassen.

Dieser begrenzte Bewegungsspielraum verhindert zuverlässig Verletzungen von Nervengewebe und Blutgefäßen durch Fehlstellungen zwischen den Wirbeln. Die Bänder verhindern damit also “Blockierungen” oder “Ausrenkungen”. In den meisten Fällen sind erlebte/gefühlte Blockaden lediglich Mißempfindungen durch verspannte Muskulatur. Die verspannte paravertebrale und langstreckige Nackenmuskulatur presst die Wirbel an ihren Zwischenwirbelgelenken fest zusammen, dadurch verlieren die Zwischenwirbelgelenke an Geschmeidigkeit und das fühlt sich dabei wie eine “Verhakung” an. Mitunter sind diese Band- und Gelenkkapselstrukturen schon etwas verletzt/überdehnt – das ist oftmals die Ursache für die verspannte Muskulatur. Die Muskulatur bildet eine sogenannte Schutzspannung, um (leichte, durch Bandläsionen verursachte) Fehlbewegungen zu vermeiden.

Wird nun chirotherapeutisch auch noch Tension auf diese Strukturen ausgeübt, wird mit jedem Mal der Halteapparat noch loser und ein langer Teufelskreis beginnt, der bei manchen Patienten zu fatalen Konsequenzen führt. Bei fast allen Patienten, die sich selber einrenken oder durch Chiropraktiker “einrenken” lassen, liegt keine fixierte Dislokation vor, die das Einrenken rechtfertigen würde. Das Einrenken mag vielleicht anfangs Linderung verschaffen, indem es sensorisch kurzfristig etwas Entlastung und auch Entspannung der Muskulatur mit sich bringt. Langfristig wird es mit Sicherheit immer schlechter. Selbst ein einmaliges Einrenkmanöver kann zu nicht mehr selbst heilenden Verletzungen führen. Ist eine Gelenkkapsel erst einmal gerissen oder ein Halteband, können unter Umständen fortan immer wiederkehrend die Gehirndurchblutung gestört oder mechanische Schädigung von Nervengewebe auftreten. Wer Patienten mit Stammhirnverletzungen gesehen hat, wird verstehen, was das für einen selbst, seine Familie und das gesamte soziale Umfeld betrifft.

Solange keine fixierte Dislokation vorliegt, also eine ernste Fehlstellung durch ein massives Trauma, die röntgenologisch abgebildet ist, wird sich eine “Verhakung” durch Wärme und Entspannung von selbst lösen.

Was kann man nun tun, um langfristig Besserung oder Heilung zu erreichen? Das beste ist gezieltes Muskeltraining der Halswirbelsäule und der Wirbelsäule insgesamt, um ggf. ein physiologisches Ungleichgewicht positiv zu beeinflußen. Oftmals entstehen Halswirbelsäulenprobleme im Lendenwirbelbereich durch zu schwache Bauchmuskulatur und verkürzte Hüftbeuger und wandern über einen Rundrücken bis zur Halswirbelsäule hoch.

Gezieltes Muskeltraining, insbesondere der Halsmuskulatur kann langfristig Verhakungen auflösen und ist ein probates Mittel, um diese Mißempfindungen und gefühlten Fehlstellungen zu beseitigen. Durch eine ausgewogene Halsmuskulatur wird auch die Heilung bereits vorhandener Läsionen am Band- und Gelenkapparat positiv beeinflußt.

Niemals sollte am Hals manipuliert werden, ohne zuvor röntgenologisch eine fixierte Dislokation festgestellt zu haben. Weder eigenmächtig noch durch Chirotherapeuten.

Was kann ich nun akut tun, um mir Linderung zu verschaffen?

Am besten geeignet sind Wärmeanwendungen und Entspannungsmaßnahmen. Warme Bäder, Wärmestrahlung, progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Bei ernsteren Verspannungen helfen Muskelrelaxantien, wie beispielsweise Tetrazepam.

Merke: die meisten “Blockaden” der Halswirbelsäule sind lediglich Mißempfindungen, ohne das wirklich das Wirbelgefüge ausgerenkt ist und diese Blockaden entstehen häufig bei bereits bestehender leichterer Instabilität. Jedes Einrenken birgt eine nicht zu unterschätzende Wahrscheinlichkeit, die Instabilität zu vergrößern.

Was vielleicht zunächst Linderung verspricht, kann sich als weitaus schlimmeres Übel entpuppen!

Seh-, Sprach-, Gefühlsstörungen, Schwindel, Benommenheit, Bewußtseinstrübung, abnorme Schläfrigkeit, Kopfschmerzen und Mißempfindungen nach einem Einrenkmanöver können auf eine Verletzung einer Vertebralarterie (zwei Arterien, die an den Seiten der Halswirbel durch Löcher ziehen) hinweisen, eine sogenannte Vertebralisdissektion. In diesem Fall sollte umgehend ein Neurologe aufgesucht werden.

Bandstrukturen, die bei Dehnübungen oder Einrenkmanövern verletzt (zerrissen oder überdehnt) werden können sind:

  • Ligamenta alaria (Flügelbänder)
  • Gelenkkapseln C0/C1, C1/C2, die Zwischenwirbelgelenke der Halswirbelsäule, die Membranen der Gelenkkapseln
  • Dens-nahes Gelenk
  • Membra atlantooccipitalis anterior, Membra atlantooccipitalis posterior
  • Membra atlantoaxialis anterior, Membra atlantoaxialis posterior
  • Membrana tectoria
  • Ligamentum longitudinale anterior
  • Ligamentum longitudinale posterior
  • Ligamenta flava, Ligamentum nuchae
  • Ligamentum transversum, Ligamentum cruciatum atlantis
  • Ligamenta intertransversalia

Außerdem kann es zu Schäden an den Vertebralarterien und deren Begleitvenen kommen.

Das sind die hauptsächlichen Strukturen zwischen den einzelnen Wirbeln, die die Wirbel zusammenhalten. Es sind viele Strukturen, die notwendig sind für die reibungslose Funktion der Halswirbelsäule. Schon leichtere Verletzungen einer der Strukturen kann zu langem Leid führen.

Also Finger weg von der Halswirbelsäule, es sei denn es existieren röntgenologisch abgeklärte Gründe!

Aus langjähriger Erfahrung in der Behandlung des Schlaganfalls läßt mich diese Frage nicht kalt! Ein solches Einrenkmanöver kann durch Zerreißung der Gefäßwand einer hirnversorgenden Arterie zum Schlaganfall führen! Mir reicht ein einziger Mensch, dessen Leben anders verlaufen könnte, um vor dieser Therapie zu warnen trotz vielleicht noch nicht sicher vorhandener Zahlen bezüglich Häufigkeit des Schlaganfalls als Folge dieses Manövers! Eine “Verrenkung” von Halswirbelkörpern liegt natürlich nicht vor, vielmehr muskuläre Verspannungen mit Bewegungseinschränkung, die man mit Geduld, Wärme und vielleicht ein paar Schmerzmitteln wegbekommt. Mir wäre es nicht wert!

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  1. Johanna
    9. Mai 2012, 21:28 | #1

    Zu diesem Thema könnte ich ein Buch schreiben. HWS-Manipulationen durch einen Heilpraktiker, die über 1/2 Jahr gingen, haben bereits vor fast 20 Jahren das Leben meiner damals noch nicht mal 18-jährigen Tochter zerstört.

    Ein Irrlauf zu vielen Ärzten, Therapien, Kuraufenthalte, Sklerosierung, schließlich eine Operation (im zarten Alter von 22 Jahren) haben keine deutliche Hilfe gebracht.

    Heute, mit 37 Jahren, hat sie stärkste BWS-Beschwerden, mit gefühlter Rippenfehlstellung, Herzstechen, Übelkeit, stärkste Schwindelattacken, Ausfallerscheinungen in den Armen und Beinen, Sehstörungen, Tinnitus … So könnte ich die Liste noch beliebig fortsetzen, kurz, ein absolut zerstörtes Leben, durch HWS-Manipulationen ohne Rö.-Aufnahme verursacht. Das tolle dabei, aber das würde ihre Beschwerden nicht lindern, eine 10-jährige Klage gegen diesen HP wurde niedergeschmettert, diese Beschwerden könnten, obwohl durch Rechnungen dokumentiert, niemals von diesen Einrenkungen kommen. Ein Riss des Ligamentum alaria (im offenen MRT durch Dr. Volle festgestellt, der ja sowieso bei seinen Kollegen ein schwarzes Schaf ist), wurde noch nicht mal bei Verkehrsunfällen mit tödlichem Ausgang festgestellt! Du lieber deutscher Rechtsstaat! Wir haben bisher schon Tausende aus eigener Tasche bezahlt, würden weiterhin gerne bezahlen, wenn ihr nur irgendjemand wenigstens Linderung verschaffen könnte. Kann mir irgendjemand einen Tipp geben, was und wer helfen könnte. Vielen Dank

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